Unter die Zuhörer hatte sich auch der
eine oder andere Vertreter der Presse gemischt. Hier stehen nun die Kritiken:
Barock trifft
Rock und Klezmer in der Kirche
Das Vocal - Ensemble St. Laurentius aus Niederkassel präsentiert das moderne
Oratorium
Niederkassel. (veh) Die Klänge aus der Laurentiuskirche ließen am
Ostermontag gar die Spaziergänger in Mondorf innehalten. Hatten sie richtig
gehört? Tatsächlich: eine E-Gitarre und ein Schlagzeug waren zu hören. Rockmusik
in der Kirche. Die Band war Teil des Instrumentariums für das moderne Oratorium
"Emmaus", mit dem das Vocal - Ensemble St. Laurentius das Publikum begeisterte.

Die Bibelgeschichte um den Gang der
Jünger Jesu nach Emmaus präsentiert das Vocal - Ensemble im modernen Gewand und
mit einer Rockband. Foto: Vehmeier
Unter der Leitung von Bernhard Engel betraten die Musiker und Sänger dabei
Neuland. Denn stilistisch fällt das Oratorium aus dem Rahmen dessen, was der
Zuhörer traditionell bei Aufführung eines Oratoriums erwartet. Die ungewöhnliche
Besetzung aus Streichern und Bläsern kombiniert mit der Rockband bringt ganz
verschiedene musikalische Stile zutage.
Der Komponist Thomas Gabriel stellt eine Bearbeitung des Chorals von Bach "Oh
Haupt voll Blut und Wunden" neben jüdische Klezmer - Musik, verarbeitet Passagen
aus der Barock-Zeit mit typischen Rockelementen. Nach der Kreuzigung Jesu gehen
die Jünger Kleopas und Thekla von Jerusalem nach Emmaus. Sie stehen nach dem Tod
Christi noch unter Schock. Trauer mischt sich mit Wut, Zweifeln und
Unverständnis.
Auf ihrem Weg treffen sie den auferstandenen Jesus, doch sie erkennen ihn nicht.
Im Gespräch mit dem Mann erinnern sie sich an das Wirken Jesu und ihre
persönlichen Erfahrungen. Bei der Ankunft in Emmaus bitten sie den Fremden, bei
ihnen zu bleiben. Beim Abendmahl bricht er das Brot und die Jünger erkennen ihn.
Sie machen sich auf den Weg zurück nach Jerusalem, um den anderen Menschen die
frohe Botschaft zu überbringen. Texter Eugen Eckert baut in die alte Geschichte
moderne Elemente ein.
Orchester, Band und das etwa 50-köpfige Ensemble, einer der größten Chöre im
Rhein - Sieg - Kreis, werden komplettiert durch mehrere Gesangssolisten. Die
Rolle der Thekla sang die Sopranistin Cordula Engel, den Jünger Kleopas gab
Martin Wanner.
Der Bariton Rainer Land war als Jesus zu hören. Tenor Wolfram Wittekind hatte
sich für den Part des erzählenden Evangelisten empfohlen. Auch die Solisten aus
dem Ensemble, die kleinere Rollen sangen, überzeugten das Publikum. Die Zuhörer
in der vollbesetzten Kirche erlebten einen bewegenden Konzertabend, der ihnen
sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.
General - Anzeiger, 30.03.2005