Das Lukas – Evangelium
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Lukas war ein Arzt aus Griechenland, der über die Gemeinde in Antiochien, wo Paulus lehrte, zum christlichen Glauben gekommen war. Lukas begleitete Paulus später nach Jerusalem, dann nach Rom. Er schrieb sein Evangelium und die Apostelgeschichte wahrscheinlich in Cäsarea (Israel), während Paulus dort gefangen gehalten wurde; die Apostelgeschichte wurde möglicherweise erst in Rom fertig gestellt.
Lukas verstand sich selbst
als Historiker, der das Evangelium für seinen Freund Theophilus aufzeichnen
wollte. Als Lukas sein Evangelium schrieb, lagen ihm bereits die Evangelien von
Matthäus und Markus vor. Matthäus und Lukas konnten allerdings im Gegensatz zu
Markus auf zusätzliche Quellen wie Augenzeugenberichte, teils schriftlich, teils
mündlich fixiert, und römische Berichte zurückgreifen. Eine der ältesten noch
erhaltenen Quellen ist eine Logienquelle, eine Sammlung von Sprüchen Jesu, die
wahrscheinlich noch zu Jesu Lebzeiten, spätestens aber kurz nach der Kreuzigung
aufgezeichnet wurden. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von 114 losen,
nicht chronologisch aneinander gereihten Sprüchen ohne größeren Kontext.
Wahrscheinlich diente diese Sammlung den Anhängern Jesu dazu, die Lehren und
Sprüche auswendig zu lernen; ähnlich verfuhren Rabbinen – Schüler, die Sprüche
und Lehren ihres jeweiligen Meisters sammelten und aufschrieben, um sie zu
lernen. |
Papyrus mit Teilen des Lukas- und Johannes - Evangeliums; ca. 200 n.
Chr. |
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Wann Lukas das Evangelium genau niedergeschrieben hat, ist umstritten. Vorherrschend ist die Meinung, dass er seine Bücher um 70 herum aufgeschrieben hat. Es spricht jedoch einiges dafür, dass der Text schon früher entstanden ist, denn viele Ereignisse wie z. B. die Belagerung Jerusalems durch die Römer und die Zer-störung des Tempels im Jahre 70 tauchen bei Lukas nur als Prophezeiungen in einer allgemeinen Sprache auf, wie sie auch bei Matthäus und Markus zu finden sind. Hätte Lukas den Text später geschrieben, wäre er sicher auf diese Ereignisse detaillierter eingegangen. Zieht man nun auch noch die wahrscheinlich von Lukas verfasste Apostelgeschichte heran (auch hier gibt es Zweifel), so zeigt sich deutlich, dass Lukas die Ereignisse nach dem Jahr 66 nicht gekannt haben kann. Denn auch hier findet sich kein Hinweis auf den Jüdischen Krieg ab 66, der nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 73 endet oder – vielleicht in diesem Falle viel markanter – den Tod der Apostel Paulus und Petrus.
Es besteht daher durchaus die Möglichkeit, dass Lukas seine Bücher bereits in den frühen 60er Jahren vollendet hat. Das heißt auch, dass er nicht nur Augenzeugenberichte vorliegen sondern möglicherweise mit Augenzeugen direkten Kontakt hatte.
Das Evangelium nach Lukas ist eins der detailliertesten; es spricht für die Sorgfalt, mit der Lukas die Geschichte aufgeschrieben hat. In ihm finden sich viele Überlieferungen, die bei den anderen nicht zu finden sind. Die Emmaus – Geschichte ist ein Beispiel dafür. Markus erwähnt sie nur sehr unbestimmt (Mk 16, 12 – 13), Matthäus und Johannes erwähnen sie gar nicht.
Um das Jahr 144 stellt Marcion das Lukas – Evangelium und zehn Paulus – Briefe in verkürzter Fassung zusammen. Mit dieser Auswahl beginnt die Kirche, die zahlreichen christlichen Schriften zu prüfen und einen Kanon der als verbindlich anerkannten Schriften abzugrenzen; um 200 steht der Kanon des Neuen Testaments in großen Zügen fest. Es werden erste Übersetzungen ins Lateinische gemacht.
Baum, Armin D., Lukas als Historiker der letzten Jesusreise, Brockhaus – Verlag, Wuppertal/Zürich, 1993. Staudinger, Hugo, Die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien, Brockhaus – Verlag, Wuppertal/Zürich, 51988. und Internet.
Das Evangelium nach Lukas 24, 13-35
13Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf
namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignete hatte.
15Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und
ging mit ihnen. 16Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so
dass sie ihn nicht erkannten. 17Er fragte sie: Was sind das für
Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig
stehen, 18und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm:
Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen
Tagen dort geschehen ist? 19Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten
ihm: Das mit Jesus von Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor
Gott und dem ganzen Volk. 20Doch unsere Hohenpriester und Führer
haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. 21Wir
aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist
heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. 22Aber
nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung
versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 23fanden aber seinen
Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel
erschienen und hätten gesagt, er lebe. 24Einige von uns gingen dann
zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber
sahen sie nicht. 25Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. 26Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? 27Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und all den Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 28So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, 29aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. 30Und als er mit ihnen bei Tische war, nahm er das Brot, sprach en Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. 31Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. 32Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? 33Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. 34Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. 35Da erzählten sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
(Einheitsübersetzung)
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