Die historischen Personen Kleopas und Thekla
1. Kleopas
Über die historische Person Kleopas ist erstaunlich wenig bekannt. Nach orthodoxer Überlieferung war er ein jüngerer Bruder von Joseph, Marias Verlobtem, was ihn zu dem Onkel Jesu macht. Nach katholischer Tradition war er der Vater der von Matthäus und Markus genannten Herrenbrüder Jakobus, Josef, Judas und Simon. Dorotheus gibt an, dass er nach Jakobus zweiter Bischof von Jerusalem wurde. Weiter heißt es, Kaiser Dometian (81 – 96), einer der grausamsten Kaiser Roms, ließ ihn kreuzigen. Auch in einem Anhang zu den Werken des Hippolytus wird er als Bischof von Jerusalem genannt.
2. Thekla
Die Figur der Thekla basiert den apokryphen „Akten des Paulus und der Thekla“ oder kurz: die Theklaakten. Die Geschichte ist in ihrer Struktur der lukanischen Apostelgeschichte nachgebildet.
Die Geschichte wurde wohl schon zwischen 160 und 190 aufgeschrieben und zirkulierte in mehreren Sprachen, was ein Zeichen ihrer Beliebtheit ist, darunter griechisch, koptisch, armenisch und syrisch. Die syrische und die armenische Kirche haben die Überlieferung in ihren frühen biblischen Kanon aufgenommen.
Die älteste erhaltene Überlieferung der Geschichte findet sich bei Tertullian, der sie zwischen 198 und 200 aufschrieb – allerdings nur, um sie scharf zu verurteilen. Die eigentlichen Akten wurden erst im zweiten Jahrhundert möglicherweise von einem orthodoxen Presbyter aufgeschrieben. Die Geschichte taucht in Aufzeichnungen aus dem dritten und vierten Jahrhundert wieder auf, allerdings ist sie hier schon sehr romantisiert. Interessant ist, dass Theklas Rolle als Führungsfigur in der frühen Kirche, die die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit einer Frau zeigte, mehr und mehr aus der Geschichte herausgeschrieben wurde.
Der Kult der Thekla entstand im 4. Jahrhundert bei Bagdad, von da breitete er sich bis in das 14. Jahrhundert aus. In der orthodoxen Kirche wird Thekla bis heute als Apostolin und Protomärtyrerin verehrt.
In der Form entspricht das Buch der altgriechischen Romanliteratur; Sprache, Motive und Anspielungen weisen darauf hin, dass es sich bei dieser Akte um Literatur für das einfache Volk handelte, nicht um wissenschaftlich – theoretische Abhandlungen. In der Handlung zeigen sich durchaus Parallelen zum neuen Testament. So wendet sich Thekla ganz Paulus zu wie sich auch Maria ganz Jesus zugewandt hatte und seine Nachfolgerin wurde.
[Die Legende:]
Thekla, Tochter einer reichen Familie, hört die Predigten von Paulus über Enthaltsamkeit, als dieser in ihrer Heimatstadt Ikonium lehrte. Sie entschließt sich daraufhin, nicht zu heiraten, sondern sich als Jungfrau dem Christentum zu widmen. Bemerkenswert ist dieser Entschluss insofern, da sie sich mit dieser Entscheidung gegen alle damals geltenden Konventionen stellte.
Ihre Mutter und ihr Verlobter sehen in Theklas Begeisterung für Paulus nur eine erotische Beziehung als Möglichkeit. Daher auch die Konsequenzen: Paulus wurde vor Gericht gestellt, geschlagen und aus der Stadt vertrieben, Thekla wird zum Tod durch Verbrennen verurteilt, nachdem sie die Wächter bestochen und Paulus im Gefängnis besucht hatte. Sie wird aber durch ein schweres Unwetter gerettet; Thekla entkommt als Mann verkleidet, flieht zu Paulus und geht mit ihm zusammen nach Antiochien. Auf dem Weg bittet sie Paulus, sie zu taufen, doch er lehnt es ab.
In Antiochien angekommen muss sich Thekla gegen die Aufdringlichkeiten des einflussreichen Alexanders wehren. Der römische Statthalter verurteilte sie daraufhin zum Tode: sie soll wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen werden. Bis zur Urteilsvollstreckung bleibt Thekla bei der Königin Tryphanea, die sie an Stelle ihrer gerade verstorbenen Tochter annimmt. Thekla betet für die Tote, was sie in der späteren Tradition zur Fürsprecherin der Toten macht. Sie lehrt am Hof des Statthalters und bekehrt das Haus zum Christentum.
Bei der Urteilsvollstreckung kann keins der Tiere sie anrühren, im Gegenteil: eine Löwin stellt sich auf ihre Seite und kämpft für sie. Thekla überlebt. Noch in der Arena tauft Thekla sich selbst, indem sie sich in eine Wassergrube stürzt und die Taufformel dazu spricht.
Als Thekla dazu verurteilt werden sollte, für ihr Vergehen gegen Alexander von Stieren zerrissen zu werden, fällt die Königin in Ohnmacht. Jetzt bittet auch Alexander den Statthalter um Gnade für Thekla, da Tryphaena eine Verwandte des Kaisers von Rom ist. Er fürchtet die Folgen, wenn ihr als Verwandte des Kaisers etwas zustöße. Daraufhin lässt der Statthalter sie frei.
Paulus sendet sie daraufhin aus, das Wort Gottes zu verbreiten. Thekla zog sich in eine Höhle bei Seleukia zurück, wo sie 72 Jahre ein friedliches Leben führte. Viele Menschen, vor allem Frauen, kamen zu ihr; sie lehrte und heilte. Nicht wenige Frauen schlossen sich ihr an. In ihrem Umkreis entstanden schon in dieser Zeit eine Reihe Männer- und Frauenklöster.
Quellen:
Albrecht, Ruth, Das Leben der heiligen Makrina auf dem Hintergrund der Thekla – Traditionen: Studien zu den Ursprüngen des weiblichen Mönchtums im 4. Jahrhundert in Kleinasien, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, 1986.
Internet