Der Begriff Oratorium:
Schon der erste, große Oratorien – Komponist Giacomo Carissimi (1605 – 1674) setzte einen Erzähler, verschiedene handelnde Personen und den Chor als handelnde Gruppe oder als Betrachter ein. Durch verreimte Verse wird der Bibeltext anschaulich ergänzt. Musikalisch wichtige Themen ziehen sich als roter Faden durch das Werk.
Johann Sebastian Bach (1675 – 1750) nutzte in seinen Passionen gleich drei unterschiedliche Textebenen als Zugang zur Geschichte: der Bibeltexte des Evangelisten, die neu gedichteten, Stellung beziehenden Arien und die alten Choräle als Stimme der Gemeinde und Ausdruck des traditionellen Glaubens.
Einer der wichtigsten Oratorien- und Kantatenkomponisten unserer Zeit ist Benjamin Britten (1913 – 1976); sein wichtigstes Werk: das „War Requiem“.
In dem Oratorium Emmaus fallen dem Chor bei aller Modernität die klassischen Funktionen zu. Er ist mitfühlender Kommentator des Geschehens, er stellt den Hohn und Sadismus der Schergen ebenso wie das Wehgeschrei auf Golgatha und den Jubel über die Auferstehung dar, und hat die Funktion des lyrisch – rezitativen Erzählers. Entsprechend vielfältig sind die Anforderungen an den Chor: stilistisch umfasst das Oratorium polyphone Strenge, romantische Klangmalerei, Klezmermusik (Musik, die ihre Wurzeln in der osteuropäischen Folklore und im jüdischen religiösen Liedgut hat; schon im Mittelalter entstanden) und Rock. Die Wechsel zwischen den verschiedenen Stilen, von temporeichen und ruhigen musikalischen Abschnitten und die zum Teil abrupten Wechsel zwischen Solist(en) und Chor machen den Reiz des Oratoriums aus.